AHMA
Abbau habitueller Mundatmung
Eine funktionierende Nasenatmung ist für mich die Grundlage vieler therapeutischer Ziele in der Logopädie. Trotzdem begegnet mir in der Praxis immer wieder, dass wir mit anderen Therapiezielen beginnen, obwohl die Voraussetzungen dafür noch gar nicht geschaffen sind.
Ich sehe das kritisch.
Denn wie soll eine stabile Zungenruhelage entstehen, wenn die Ruheatmung dauerhaft über den Mund erfolgt? Wie nachhaltig kann ein physiologisches Schluckmuster aufgebaut werden, wenn die grundlegende Atemfunktion nicht berücksichtigt wird? Und auch im Bereich der Stimme spielt die Atmung eine wesentliche Rolle.
Für mich steht deshalb fest: Bei einer habituellen Mundatmung sollte die Wiederherstellung beziehungsweise Aktivierung der Nasenatmung anderen therapeutischen Zielen vorausgehen. Sie ist kein zusätzlicher Baustein innerhalb der Therapie, sondern eine wichtige Grundlage für viele weitere funktionelle Prozesse.
Aus dieser Überzeugung heraus habe ich 2020 das Programm AHMA – Abbau habitueller Mundatmung entwickelt.
AHMA – aus der Praxis für die Praxis
Wie auch M.U.N.D.T. ist AHMA aus meiner praktischen Arbeit entstanden. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, ihre habituelle Mundatmung nicht nur innerhalb der Therapiesituation zu verändern, sondern auch im Alltag.
Denn genau dort liegt eine besondere Herausforderung.
Eine Veränderung der Ruheatmung lässt sich nicht einmal pro Woche im Rahmen einer Therapiesitzung „erlernen“. Wenn sich die Steuerung der Ruheatmung langfristig verändern soll, braucht es Wiederholung, Kontinuität und regelmäßiges Üben. Das Gehirn muss die Nasenatmung in der Ruhe wieder als selbstverständliche Möglichkeit etablieren.
Deshalb ist AHMA als einfach umsetzbares Übungsprogramm für zu Hause konzipiert.
Das Programm unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, die Nasenatmung bewusst wahrzunehmen, zu aktivieren und Schritt für Schritt wieder stärker in den Alltag zu integrieren. Dabei geht es nicht darum, den Mund einfach geschlossen zu halten. Gerade diese Unterscheidung ist mir wichtig: Ein geschlossener Mund ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer funktionierenden Nasenatmung.
AHMA richtet den Blick deshalb auf die Atmung selbst.
Die Nase übernimmt bei der Atmung wichtige Funktionen. Sie filtert, erwärmt und befeuchtet die Atemluft. Bei einer dauerhaften Mundatmung werden diese Funktionen umgangen. Gleichzeitig kann die Art der Atmung Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche haben – unter anderem auf die orofazialen Funktionen, die Zungenruhelage, das Schlucken, die Stimme und die Atmung insgesamt.
Meine Arbeit mit M.U.N.D.T. hat mir früh gezeigt, wie entscheidend es ist, Funktionen in ihrer Abhängigkeit voneinander zu betrachten. AHMA ist aus genau diesem Gedanken heraus entstanden. Wenn eine grundlegende Funktion nicht ausreichend berücksichtigt wird, können auch andere therapeutische Ziele an ihre Grenzen stoßen.
Deshalb ist AHMA für mich mehr als ein Übungsprogramm zum Abbau einer Mundatmung. Es ist ein Ansatz, der eine grundlegende Frage in den Mittelpunkt stellt:
Sind die Voraussetzungen geschaffen, damit die Funktion, an der ich therapeutisch arbeiten möchte, überhaupt nachhaltig entstehen kann?
Mit AHMA möchte ich Logopädinnen ein praktikables Handling an die Hand geben, das sie dabei unterstützt, den Aspekt der habituellen Mundatmung in die Therapie einbeziehen können und ihren Patientinnen und Patienten eine strukturierte Möglichkeit für das tägliche Üben zu Hause zu geben.
Denn nachhaltige Veränderungen entstehen nicht allein durch Erkenntnis. Sie brauchen Wiederholung, Alltag und Zeit.